Ein Mann bei einem großen Baum in Portugal

Wieso man über seine spirituelle Entwicklung nicht sprechen sollte

In Energetiker Fachartikel, Praxis by Humanenergetiker Team

Viele Weisen haben Suchende darauf hingewiesen, über wichtige spirituelle Fortschritte Stillschweigen zu bewahren. Doch genau über jene Fortschritte möchte das Ich erzählen, diese ausschmücken, teilen und prahlen. Wieso schweigen wichtig ist, erklärt der heutige Fachartikel zum Thema „Reden und Schweigen“.

Als wir kürzlich einen Weisen in Kaschmir trafen, erklärte dieser uns einiges über die „Nähe zu Gott“. Was macht einen wahren „Meister“ oder Lehrer aus? Wir nehmen wahr, dass diesen eine besondere Aura umgibt, getragen von Liebe, Hingabe und Dankbarkeit lebt er im Einklang mit dem Willen des Unbeschreiblichen. Dies bedeutet, dass es Menschen gibt, die das Selbst bereits mehr verwirklicht haben als andere. Während wir alle jenes Selbst sind, leben einige dennoch mehr im Einklang mit seinem Willen als andere. Verwirklichung bedeutet, das Maß an Ego, welches den eigenen Willen verwirklichen will, zu reduzieren, um in absoluter Hingabe und Vertrauen auf den göttlichen Strom loszulassen.

In schā’a llāh

Muslime sagen aus diesem Grund sehr oft „In schā’a llāh“ – die christliche Entsprechung hierzu ist „So Gott will“. Das folgende Zitat verdeutlicht dies: „Und sag ja nicht im Hinblick auf etwas, was du vorhast: „Ich werde dies morgen tun“, ohne hinzuzufügen: ‚wenn Gott will‘! Und gedenke deines Herrn, wenn du vergisst dies hinzuzufügen, und sag: ‚Vielleicht wird mich mein Herr (künftig) zu etwas leiten, was eher richtig ist als meine vorherige Handlungsweise!’“ – Übersetzung: Rudi Paret: Sure 18, Vers 23-24

Unsere Lehrerin Phyllis Krystal betont jeden Tag auf das Neue: „Herr, mache mich heute zu deinem Werkzeug“, um den eigenen Willen zu reduzieren.

Viele Lehrer haben darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, Kontrolle abzugeben, um das wahre tiefe Vertrauen auf das Unbeschreibliche zu erfahren und zu erlernen. Je nachdem wie weit dies fortgeschritten ist, spricht man von der „Nähe zu Gott“. In unserer westlichen Kultur haben wir dies oftmals völlig verlernt: wir vertrauen dem eigenen Konto mehr als der Fülle des Universums.

Erlerne ich das tiefe Vertrauen und entwickle Hingabe zum kausalen Prinzip, steigt mein verwirklichtes Energiepotential und neue Möglichkeiten eröffnen sich. Gehe ich nur einen Schritt auf das wahre Urvertrauen zu, kommt dieses mir zehn Schritte entgegen. Dies ist auch der Moment, wo es zu tiefen spirituellen Erfahrungen kommt. Teile ich nun jede Erfahrung in einem unpassenden Rahmen, kann dies Neid, Ungläubigkeit und Missgunst bei Menschen erzeugen. Auch dies ist Energie, die sich nun gegen mich richten wird.

Reden und Schweigen

Wenn wir uns jedoch in einer ehrlichen Gruppe „in seinem Namen“ treffen und gemeinsam der Selbstreflexion hingeben, wachsen wir an einer geteilten Erfahrung. Dies bedeutet: spirituelle Erfahrungen sollten nicht mit jedem oder überall geteilt werden. Suche dir den richtigen Rahmen und fühle genau hin, ob der oder die Empfänger mit offenem Herzen lauschen oder aber ob es sich nur um Neugier oder andere Motive handelt. In diesem Fall schweige!

Wisse, dass mir dieser Ratschlag schon vor vielen Jahren gegeben wurde. Selbstverständlich habe ich diesen ignoriert und so meine eigene Erfahrung gemacht. Die Herdplatte war heiß und die Brandblasen sind zwischenzeitlich abgeheilt. Gelernt habe ich achtsamer mit den Geschenken des Stroms umzugehen und täglich dankbar für das Geschenk der Lebensfreude zu sein.

Alles ist Energie, alles fließt. Sehr oft ist Schweigen tatsächlich Gold, während Reden und sich Erklären wunderbare Geschenke einfach nur davon fließen lässt.

Mitteilen oder schweigen und erleben

Menschen geben gerne die Verantwortung für ihr Leben ab und machen Gott und die Welt für ihre eigene Sturheit verantwortlich. So drehen sie sich im Kreis, gefangen in problematischen Emotionen, die umfangreich mitgeteilt werden wollen. Was dies mit Wissensvermittlung, blanker Theorie und wahrer spiritueller Erfahrung zu tun hat, erfährst du im heutigen Blogeintrag.

Wissen ist etwas dienliches, wenn es darum geht, fachlich sattelfest eine Aufgabe zu erfüllen. Doch wie sieht es mit Wissensvermittlung von spirituellen Fragen aus? Das Wissen um verschiedene Yoga-Übungen, Disziplinen und Meditation mag vermittelbar sein. Um Menschen jedoch in Lebensfragen nachhaltig hilfreich zur Seite zu stehen, benötigt es weit mehr als das: persönliche Erfahrung, spirituelle Entwicklung, eine erweiterte Fähigkeit des Einfühlungsvermögens und Geduld gepaart mit der Fähigkeit des Zuhörens.

Gerade wenn Menschen viel Wissen erlangt und auch einiges davon vielleicht praktisch erfahren haben, fehlt es oftmals an Einfühlungsvermögen und der Fähigkeit zu schweigen.  Dies ist eine recht problematische Kombination: das eigene Wissen drängt nach außen, will mitgeteilt werden – koste es den überforderten Zuhörer, was es wolle. Der Beschenkte zeigt in diesem Fall eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne, unterbricht und will von der eigenen Theorie nicht wirklich profitieren. Umso mehr wird erklärt, hingewiesen und gestikuliert, während man den Zuhörer nach Kapitulation vor seinen Fluchttendenzen schon längst in den Untiefen der Langeweile verloren hat.

Auf der anderen Seite gibt es jene Menschen, die wahrhaftig tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht haben. Ein gemeinsamer Nenner jener Menschen ist die Erfahrung, dass es unmöglich ist, die eigene Erfahrung auf die Erfahrung eines anderen umzumünzen. Zu verschieden sind die Wege, die einen in die momentane Lebenssituation gebracht haben. Zu unterschiedlich der Erfahrungshintergrund, der eine Vermittlung eines Dogmas unmöglich macht. Wahre Erfahrung ist nicht kopierbar. Die meisten Menschen tendieren dazu, selbst die Erfahrung einer Verbrennung beim Griff auf die Herdplatte oder dem Bügeleisen machen zu wollen.

Wissen versus wahrer Erfahrung

Der, der nur Kopfwissen in sich trägt, tut sich schwer, dies zu akzeptieren und erzählt dennoch von seinen Theorien und Gedanken. Wieso? Ein Hinterfragen dessen wäre in Folge die Akzeptanz, dass all das Wissen nutzlos ist, wenn es im eigenen Leben nicht zur praktischen Anwendung kommt. Was nutzt es mir, alle Asanas und Lebensprinzipien des Yogas zu kennen, wenn ich diese nicht jeden Tag lebe und atme? Es würde unweigerlich zur Erkenntnis führen, dass die eigene Wissensüberheblichkeit mich selbst von tiefer spiritueller Erkenntnis getrennt hat. Dies ist ein Gedanke, der – sofern verfolgt und zugelassen – sehr weh tut. Ich weiß auf einmal, dass ich nichts weiß. Und jetzt?

Jene Menschen, die wahrhaftige tiefe spirituelle Erfahrungen gemacht haben und diese auch leben, wissen, dass in letzter Konsequenz sich alles um das wahre Vertrauen und die Hingabe zum Unbeschreiblichen dreht. Sie wissen, mein Leben gehört mir nicht, alle meine Planungen sind irrelevant für den Strom des Seins. Mein Drama ist irrelevant. Lachend spüren sie seinen Willen, der sie leitet und lenkt, der sie liebt und umsorgt. Doch wie sollte jene Erfahrung direkt vermittelbar sein? Mit dem Loslassen des Zwanges, dies vermitteln zu wollen, sind jene Menschen frei und können tatsächlich etwas Nachhaltiges vermitteln. Paradox, ich weiß.

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Was bedeutet wahrhaftige Vermittlung?

Es geht darum, den Menschen an jene sich selbst auferlegten Grenzen und Gitterstäbe zu führen, sodass der Suchende diese selbstständig erkennen und sprengen kann. Wie oft werden die Vermittler deswegen als kalt, hartherzig, seltsam oder arg beschimpft. Meine oftmals ebenso harte Lehrerin Phyllis Krystal sagte einst zu mir: „Menschen sind wie kleine Kinder. Immer wollen sie etwas und wenn sie es nicht erhalten, gibt es Drama.“ Phyllis war sehr direkt und streng in den Zurechtweisungen der Menschen und akzeptiert, wenn sie deswegen nicht gemocht wird. Viele Jahre konnte ich den Ansatz zwar verstehen, diesem aber nicht vom Herzen her folgen. Voll war ich mit der eigenen Angst, jemanden zu verletzen. Dies war nicht mehr, als meine eigenen Gitterstäbe, die mich in der Entwicklung hemmten. Jene Angst entsprang dem Gefühl, dass manche sich abwenden würden, wenn ich in einer Situation viel zu klare Worte finden würde. Dies ist schon lange her. Nun finde ich die Worte und viele wenden sich ab. Dies ist auch gut so, sie gehen selbstständig ihren Weg und reifen auf diese Weise, während ich gleichzeitig von meiner Angst befreit wurde.

Erst kürzlich bekam ich einen Brief von jemanden, der sich vor vielen Jahren lautstark abgewendet hatte. Vieles wurde damals über mich gesagt und noch mehr gefühlt. Der jetzige Brief war ein Ausdruck von Liebe und Dankbarkeit, getragen von eigener spiritueller Erfahrung und enthielt einen Schlüsselsatz: „Erst heute weiß ich, was du für mich getan hast. Es hat nur gedauert, bis ich dies sehen konnte“.

Dies ist kein Einzelfall, sondern beschreibt nur, wie wir Menschen oftmals reagieren: wie Kinder, die beleidigt sind, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen. Drama ist ein willkommenes Mittel, der scheinbaren Gemeinheit der Welt zu begegnen. Der Weg heraus? Höre auf, dir selbst leid zu tun. Übernimm endlich Verantwortung für dein Leben, erkenne, dass du es bist, der für die eigene emotionale Wirklichkeit Verantwortung trägt. Niemand sonst. Wie Eisenhower schon sagte: “Die Jagd nach dem Sündenbock ist die einfachste.“ Finde den Teil, der das Drama in dir erzeugt. Vielleicht ist es Zeit, sich der Übung des Loslassens von Phyllis Krystal zu widmen oder auch mit den Zwillingseigenschaften aus „Befreie dich selbst!“ zu arbeiten. Auf keinen Fall mache deine Mitmenschen für irgendetwas verantwortlich – bleibe bei dir und deiner Kraft! Selbst wenn du es leid bist, zu dir hin zu sehen, finde den Teil, der beleidigt „es leid“ ist, hinzusehen und lasse diesen ziehen. Tust du es nicht, drehst nur du dich noch länger im Kreis der eigenen Sturheit und deine Tanzpartner sind Wut, Unverständnis, Schmerz und auch Hass.

Befreie dich selbst! Über die Kunst, wahrhaftig zu leben
  • Matthias A. Exl
  • Herausgeber: Mankau
  • Auflage Nr. 1 (15.08.2008)
  • Gebundene Ausgabe: 215 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bist du der, der seinen Mitmenschen helfen will und etwas vermitteln will: lasse los, etwas vermitteln zu wollen. Hast du wahrhaftig die Fähigkeit, Menschen zu bewegen, kommen sie von ganz alleine – ohne Selbstmarketing und ein Übermaß an Worten. Kommen sie nicht zu dir, ist es noch nicht an der Zeit. Widme dich in diesem Fall deiner eigenen Entwicklung, spreche weniger und zwangsbekehre nicht. Lerne wahrhaftig zu vertrauen und loszulassen. Dies bedeutet, dass der Strom schon längst den Plan festgelegt hat, wann du was und wie tun wirst. Kämpfe nicht dagegen an, sei dir bewusst, dass es lediglich darum geht: wisse nicht nur, sondern erfahre, wie wichtig es ist, alle Agenda vertrauensvoll in seine Hände zu legen.

Schweigen und Erfahrung leben!

In Kaschmir trafen wir Weise, die still waren. Menschen, die bei einem Gespräch wahrhaftig zuhören konnten und nicht danach strebten, verstanden zu werden. Doch wenn sie ihren Mund einmal öffneten, trafen sie stets den Punkt. Jede Silbe war eine Perle, man dürstete förmlich nach mehr. Denn aus ihrem Mund floss der Strom selbst, ohne Rücksicht auf emotionale Stolpersteine ihrer Zuhörer. Doch es war jener Strom, der – sofern man dafür offen war – Heilung brachte, auch wenn die Medizin manchmal bitter schmeckte. Die pure Essenz des Seins ergoss sich durch ihre Worte über uns und waren heilsamer Segen. Ja, sie sind Gott sehr nahe!

Doch was bedeutet dies für dich und mich? Alles! So frage dich genau heute: fließt aus deinem Mund der segensreiche Strom?

Nein? Fragst du dich, wie dies möglich sein könnte?

Sehr einfach: lasse nach und nach in deiner Sprache jegliche Form von Drama, Anklage und Geschwätz weg. Danach lasse diese Teile auch in deinen Gedanken weg. Beobachte dabei, was übrig bleibt.

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