Sandra und Matthias am Jakobsweg in Spanien

Wieso geht man den Jakobsweg?

In Energetiker Fachartikel, Wissen by Humanenergetiker Team

Wieso gehen so viele Menschen gerade den Jakobsweg? Was versäumt man, wenn man nicht pilgert? Was bringt der Jakobsweg? Ist dieser spirituell wirklich wertvoll oder kann ich die Erfahrung auch anders machen?

Machen wir zuerst einen Schritt zurück in unsere Kindheit. Kinder sind unglaublich schöpferische Wesen, die die Beschränkungen des Erwachsenen-Verstandes noch nicht kennen. Für die meisten Kinder ist alles möglich, sie fühlen sich wie Götter und „das geht nicht, weil…“ ist ihnen oft unbekannt. Kinder sind noch nicht gelähmt von Zukunftsangst und noch nicht auf Vorsorge getrimmt. Zumindest in der frühen Kindheit sind sie noch frei von Zwängen des Konsumterrors und Absicherung ist ein Fremdwort.

Lebensfreude versus Lebensplanung

Es dauert nicht lange, bis das westliche Erziehungssystem aus den kleinen Göttern große Angsthasen geformt hat. Zukunftsängste, Leistungsdruck, Schulnoten, Geld, Ansehen, Status, Konsum und weitere scheinbar wichtige Konzepte verdrängen die natürliche Lebensfreude immer mehr und fordern ihren Tribut. Eine wirtschaftliche Lebensplanung, Vorsorge und die Angst vor Unsicherheiten nehmen immer größere Lebensräume ein und fordern uns auf, durch verdientes Geld beschwichtigt zu werden. Dies ist ein Weg, der uns weg von Lebensfreude direkt in ein Leben voller Bedauern führt. Ein Leben, dass voller entgangener Möglichkeiten ist.

Das Hamsterrad

Irgendwann jedoch wachen so manche Hamster während des Laufens im Rad auf. Dies ist ein höchst unangenehmer Prozess, der unangenehme Fragen aufwirft: wie viele Pfoten breche ich mir, wenn ich nicht weiterlaufe? Ich laufe doch nur so schnell, weil das Hamsterrad sich so schnell dreht! Würde das Hamsterrad langsamer laufen, wäre auch ich ruhiger. Welche Wahl habe ich außer zu laufen? Wieso bin ich überhaupt im Hamsterrad? Bin ich überhaupt ein Hamster? Was mache ich hier überhaupt??? Hallo????

Rückbesinnung und Tapetenwechsel

Sofern diese ersten Reflexionen Früchte tragen, bemühen sich manche Menschen um einen Ausbruch. Die goldenen Gitterstäbe werden nach und nach identifiziert. Viele Menschen erleben in der Zeit des Hinterfragens grundlegende Veränderungen: sei es, dass eine Beziehung beendet oder ein Beruf aufgegeben wird oder dass es zu einer anderen großen Lebensveränderung kommt. Das Hinterfragen an sich oftmals gepaart mit Veränderungen, scheint ein großer Motivator für Menschen zu sein, sich eine Auszeit zu nehmen. Ein Tapetenwechsel ist angesagt, es entsteht nicht nur der Wunsch, das Hamsterrad zu verlassen, sondern den Käfig und das Haus in dem der Käfig steht.

Der Jakobsweg ruft

Ein Mann am Jakobsweg in SpanienDer Jakobsweg hat einiges zu bieten: Ungewissheit, Ruhe, Unbekanntes, Freude, Schmerz, Drama, Erlösung, Läuterung, Rückbesinnung, Konflikte, Lösungen und vieles mehr. Am Weg selbst scheint das Leben in komprimierter Form abzulaufen. Je ungeplanter und freier man sich auf dieses Abenteuer einlässt, umso besser. Planung und Kontrolle stehen im absoluten Widerspruch zu der Idee des Weges an sich. Vielmehr geht es darum, sich einzulassen, loszulassen und sich dem Weg und seinen Prüfungen hinzugeben. Prüfungen und Entbehrungen gibt es zur Genüge. Der Jakobsweg ist ein ideales Allheilmittel, um Dramaqueens und Egozentriker auf den Boden der Genügsamkeit und Einsicht zurückzuführen. Der Weg an sich schränkt automatisch das Ego ein und je nach Größe desselben leide ich mehr oder weniger. Doch genau durch jenen Leidensprozess erfahre ich Läuterung.

Läuterung am Jakobsweg

Läuterung ist eine spirituelle Gesundung. Dieser Prozess ist vergleichbar mit der positiven Erfahrung, die durch Hunger ausgelöst werden kann. Was meine ich damit? Hunger ist der beste Koch. Durch Hunger erfahre ich viel mehr, wenn ich Nahrung erhalte, wie gut diese schmeckt. Genauso ist es mit dem Jakobsweg im spirituellen Sinne. Durch die Länge des Weges, durch die Anstrengungen, durch die Entbehrungen fastet die “Diva” in uns. Der Dramatiker hungert sich zu Tode. Mit jedem Schritt befreit man sich mehr und mehr von sich selbst und von dem über die Jahre aufgebauten gedanklichen und emotionalen Fett. Ja, wir sind sehr oft spirituell fette und unbewegliche Hamster, die darüber nachdenken, ob sie wohl morgen genug zu futtern bekommen. Der Jakobsweg ist die Diät, Entbehrung und Anstrengung das Fasten, spirituelle Läuterung der Gewichtsverlust.

Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
  • Hape Kerkeling
  • Herausgeber: Piper Taschenbuch
  • Taschenbuch: 368 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.11.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Alternativen zum Jakobsweg

Es ist schwierig, etwas Vergleichbares zu finden. Der Alltag kann kaum dieselbe Erfahrung beinhalten, selbst wenn ich mich noch so spirituell bemühe. Es fehlt einfach die Ungewissheit des Jakobswegs an sich, die man künstlich nicht erzeugen kann. Selbst relativ lange Retreats sind im Vergleich zum Jakobsweg viel zu kurz. Pilgerwanderungen im klassischen Sinn sind ebenfalls viel zu kurz und oftmals zu geplant, als dass sie mit der Erfahrung des Jakobsweges zu vergleichen wären.

Empfehlungen und Tipps zum Jakobsweg

  • Wenn der Jakobsweg ruft, so wie er auch mich gerufen hat, lassen Sie sich ein! Voll und ganz! Planen Sie nicht – noch einmal: plane nicht! Übergebe den Plan dem Weg an sich. Ja, es ist möglich, den Weg ohne Planung zu gehen.
  • Nimm dir Zeit: hier waren wir zum Beispiel „extrem“. Auch wenn dies nicht jeden Menschen betrifft und auch nicht notwendig ist: Wir hatten unsere Jobs gekündigt, eine Firma geschlossen, ein Haus verkauft und auch Beziehungen beendet – für uns bedeutete der Jakobsweg einen Neuanfang. Wir gingen den Weg ohne zu wissen, wann oder ob wir von diesem zurückkehren würden. Wir waren bereit, uns auf alles einzulassen. Dies hat sich wahrlich bezahlt gemacht… Die Folge war ein Vertrauen in das Schicksal, welches alles vorher gekannte bei weitem übersteigt.
  • Reise mit leichtem Gepäck! Nicht nur am Jakobsweg, sondern auch durch das Leben an sich!
  • Du glaubst, nicht die Zeit zu haben, um den Jakobsweg zu gehen? Dann lasse es. Gehe den Weg dann, wenn du dir die notwendige Zeit nimmst und die Wichtigkeit verstehst.
  • Lasse alle Dogmen rund um den Jakobsweg los. Lasse dich auf deinen Weg ein.

Für uns war der Jakobsweg das Ziel aller Reisen. Der Jakobsweg verwandelt einen auf wunderbare Weise. Jeder Mensch bekommt genau das, was notwendig ist. Jeder hat die Fähigkeit, dies zu erkennen, wenn man sich dem Weg hingibt. Die Zeichen sind dann selbsterklärend.

Wie der Dalai Lama in seinen empfohlenen Lebensregeln einst sagte: „Besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst.“ Der Jakobsweg ist prädestiniert dafür und eine Offenbarung für den wahrhaftig Suchenden. Wer den Jakobsweg geht, wird eines sicherlich finden: Lebensfreude! Es gilt nun nur noch, sich nicht wieder ein altbekanntes Hamsterrad zu suchen.

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