Eine Frau auf drei Bildern mit verschiedenen Emotionen

Der gute & der problematische Therapeut

In Energetiker Fachartikel, Wissen by Humanenergetiker Team

Artikel aktualisiert am 11.11.2018

Eine Beschreibung des Zusammenhangs von Selbstfindung und Geistheilung mit der Arbeit eines Therapeuten beschreibt Stephan von Stepski-Doliwa in seinem Buch „Sai Baba spricht über Psychotherapie“. Nachfolgend ein Auszug aus dem empfehlenswerten Buch aus der therapeutischen Praxis. Während Stepski-Doliwa über den Berufsstand der Psychotherapeuten schrieb, sind dennoch die Fragen nach der Selbstfindung und Authentizität auch oder gerade für Geistheiler gültig.

Sai Baba spricht über Psychotherapie
  • Stephan von Stepski-Doliwa
  • Herausgeber: Govinda Sai Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.01.1970)
  • Gebundene Ausgabe: 456 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Der problematische Therapeut

Wer sich als Therapeut betätigen will, muss ein Weiser, muss im Grunde erleuchtet sein. Er muss die Quelle, das gemeinsame Sein aller erreicht und das Göttliche in sich verwirklicht haben. Wer diese Attribute nicht hat, richtet schnell mehr Schaden an, als dass er hilft, geschweige denn heilt. Weil die meisten so genannten Therapeuten heutzutage weder selbst seelisch gesund noch erleuchtet sind, dauern die Therapien einerseits so lange und erreichen andererseits so wenig, wodurch das Leiden der Patienten in vielen Fällen überhaupt nicht gemildert, sondern häufig sogar vergrößert wird. Der Ruf der Psychotherapie ist infolgedessen immer noch sehr zweifelhaft, um nicht zu sagen schlecht. Die meisten Therapeuten stochern wie Blinde in der Psyche ihrer Patienten herum, weil sie im Grunde überhaupt nicht wissen, was sie suchen. So schrecklich es klingt, so ist es doch in vielen Fällen wahr: Sie suchen nicht primär die Heilung ihrer Patienten, sondern ihre eigene. Sie suchen Positives wie Wohlstand, Anerkennung, Ansehen und Anmut und landen schließlich bei der Anmaßung, weil sie am falschen Ort suchen. Ja, Anmut! Der Leser stolpert vielleicht über das Wort Anmut und denkt möglicherweise, ich hätte es gewählt, weil es gut in die Reihe der mit „A“ beginnenden Wörter passt. Dem ist aber nicht so. Anmut ist eine typische Eigenschaft desjenigen, der sich gefunden hat. Denn Anmut ist eine ureigenste Eigenschaft des Absoluten – des Absoluten, das der Erleuchtete aufsucht, in sich findet und aus dem er schöpft. Anmut ist das Wesen von allem. Ansehen und Anmut sollten Patienten in einer Therapie finden. Das heißt: Der Therapeut sollte ihnen helfen, das in sich aufzufinden, was in jedem ist und was er in sich selbst verwirklicht hat.

Wie soll aber jemand etwas geben, was er nicht hat? Und was geschieht, wenn jemand dazu gezwungen ist, etwas zu geben, obwohl er es nicht besitzt“ Im Falle des Therapeuten geschieht etwas besonders Problematisches: Er nimmt es von seinen Patienten, statt es den Patienten zu geben!
Der Therapeut, der sich nicht gefunden, der die Ruhe des Absoluten nicht in sich verwirklicht hat, der nicht vom Schein zum Sein vorgedrungen ist, muss sich mit Schein umgeben. So wird er anmaßend. Und Anmaßung geht immer auf Kosten anderer. Der Anmaßende nimmt sich etwas, was ihm nicht zusteht. Der nicht verwirklichte Therapeut maßt sich eine Selbst-Sicherheit, eine Kompetenz an, die er überhaupt nicht hat. Nicht haben kann. Denn wie soll jemand selbst-sicher sein, wenn er das Selbst in sich nicht gefunden, nicht verwirklicht hat?

Dieser Therapeut lebt deshalb in Maya, im Schein, in der Täuschung. Wozu gibt er dann aber Therapie? Die Antwort ist: Um sich selbst zu heilen. Das aber ist die größte Täuschung: Er gibt vor, Menschen helfen zu können, benutzt diese aber primär, um seine und nicht ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Kein Wunder, dass sich viele Patienten betrogen, nicht aber gut geführt fühlen. Diese Diskrepanz zwischen äußerem Schein („Ich bin Therapeut, ich weiß Bescheid!“) und innerer Wirklichkeit („Wenn ich nur wüsste, wer ich bin, woher ich komme, wohin ich gehe!“) zermürbt nicht nur die Patienten, sondern auch den Therapeuten. Er spürt, dass er nicht in der Wahrheit, nicht in seiner Mitte, nicht in seiner Kraft, nicht im Selbst gegründet ist. Er lebt mit einer Maske der angeblichen Selbst-Sicherheit, dabei ist ihm nichts weniger sicher als das Selbst. Diese Maske, mit deren Hilfe er versucht, sein Leben und das seiner Patienten in den Griff zu bekommen, ist einer der Hauptgründe für seine Schwäche, denn das, was er bräuchte, nämlich das Selbst, ist nicht durch Schein und Täuschung, sondern allein durch Wahrheit und ernsthafte Suche zu erreichen. Den Kern der Wahrheit bilden die wahren drei: Das Sein, das Bewusstsein und die Glückseligkeit. Und dieser Kern lässt jede Maske wie Wachs schmelzen. Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit suchen im Grunde sowohl der Therapeut als auch der Patient. Aber weder der eine noch der andere weiß, was er sucht. Manchmal weiß sogar keiner von ihnen, dass sie es suchen. Wer dies nicht weiß, ist aber nicht Therapeut, sondern selbst Patient. Und genau dies wäre für viele Therapeuten der erste entscheidende Schritt zum Selbst und damit zur Heilung: Wenn sie sehen würden, dass sie keine Therapeuten, sondern Patienten sind.

Dies wäre deshalb so heilsam, weil es ihr falsches Selbst, nämlich ihr Ego, zerstörte. Und was geschieht, wenn das Ego vergeht? Es erscheint das Selbst. Mit anderen Worten: Für viele Therapeuten ist ihr Beruf das Falscheste, was sie für sich und andere tun können: Sie geben vor, anderen helfen zu wollen, doch in Wahrheit denken sie nur an ihre vordergründigen Interessen. So bauen sie immer mehr Ego auf, wodurch sie mehr und mehr von ihrer wahren Quelle abgeschnitten werden. Und zwangsläufig immer weniger helfen können. Das heißt: Je mehr Ego ein Therapeut hat, desto weniger ist er dort, wo er sein sollte, nämlich beim Selbst. Je eingebildeter er ist, je arroganter er auftritt, je mehr er in Wahrheit aus seinem Kopf statt aus seinem Herzen heraus denkt, redet und handelt, desto weiter ist er davon entfernt ein Therapeut geschweige denn ein guter Therapeut zu sein.

Der gute Therapeut

Nur der kann ein Therapeut sein und wirklich anderen helfen, dessen Gedanken, Worte und Werke in Ein-Klang sind. Wer anders redet, als er denkt, wer anders handelt, als er redet, sollte sich selbst therapeutische Hilfe suchen-eine gute, wohlgemerkt! -und nicht sich und andere in der Unwahrheit verstricken. Dies ist der Maßstab für einen guten Therapeuten: Hat er das Selbst so weit erreicht, dass seine Gedanken, seine Worte und Werke eine Einheit bilden?
Wie steht es mit der Offenheit seines Herzens?
Wie respektvoll geht er mit sich und anderen um?
Weiß er, wo seine und – vor allem – die Grenzen der Patienten sind? Weiß er, worauf es ankommt?
Das bedeutet: Der Therapeut muss aus der Ruhe des Selbst heraus handeln und leben. Deshalb kann nur der ein wahrer Therapeut sein, der das Göttliche in sich gefunden hat. Damit kommen wir zu etwas Entscheidendem: Die heutige Therapie hat ihre Wurzeln in den Lehren Freuds. Welche Methode auch angewandt wird, wie sehr sie Freud direkt oder indirekt auch ablehnen mag, sie ist selbst in der Ablehnung auf ihn bezogen, mit ihm verbunden. Freud hat eine umfassende Lehre geschaffen, die keiner nach ihm so klar und so grundlegend formulierte. Obwohl Freud durch und durch integer war, hatte er, durch die Erfahrungen früherer Leben bedingt, seinen Zugang zum Göttlichen verloren. Freud konnte sich nicht auf Gott ausrichten. Freud konnte Gott nicht als die Quelle allen Seins – auch der so genannten Krankheit! – sehen.
Er wollte Gott vermeiden, deshalb entwickelte er den Begriff der Libido, die er so umfassend, so allgemein umriss, dass sie einem Göttlichen Prinzip gleichkam.
Freud missverstand aber den Sinn und Zweck von Therapie: Er suchte seelische Heilung, anstatt zu erkennen, dass er selbst Gott in einer verwahrlosten Welt suchte – und seine Patienten, siehe zum Beispiel den „Wolfsmann“, das Gleiche taten. Freud erfand zwar eine geniale Technik, sie ging aber im Grunde völlig am Ziel vorbei. Denn der Mensch ist nicht auf Erden, um erfüllt die irdischen Freuden genießen zu können, sondern einzig und allein, um Gott zu verwirklichen. Weil Freud nicht auf Gott ausgerichtet war, konnte er sein Leben nicht zu Ende leben, sondern ließ sich eine tödliche Morphiumgabe verabreichen. In einer neuen Inkarnation musste er erleben, in welche Sackgasse seine Lehren führen. Ich werde etwas später näher darauf eingehen. Durch Gottes Gnade durfte er erkennen, dass außer Gott alles irreal ist.
Und genau das ist es, was ein guter Therapeut erreichen sollte: Er sollte wissen, dass so genannte Krankheiten der Aufschrei des Selbst sind, des Selbst, das endlich einen neuen Weg einschlagen, das sich wieder mehr dem Göttlichen zuwenden, das sich verwirklichen will. Das ist der ganze Sinn aller Krankheiten. Einen anderen gibt es nicht. Und genau deshalb sterben Menschen an Krankheiten: Wenn das Selbst erkennt, dass die Sackgasse ohne Ausweg ist, dann zieht es die Leben spendenden Energien ab, und der Körper stirbt und verfällt.
All dies muss der richtige Therapeut wissen. Man erkennt ihn an seiner Ruhe und seiner Güte, die er auch dadurch bekommt, dass er regelmäßig meditiert (Sai Baba spricht .zum Westen, 25.7.) und den Namen Gottes wiederholt (ebenda, 27.2.).
Durch diese Haltung aktiviert der Therapeut ganz andere Energien in sich, fühlt sich als Werkzeug und findet gewöhnlich und ganz selbst-verständlich zu immer mehr Bescheidenheit.
Und was ist nun das wahre Ziel des Therapeuten beziehungsweise der Therapie? Dies ist, wie gesagt, die Gottesverwirklichung. Und dies ist nichts anderes als die Selbstverwirklichung, das heißt das Finden der wahren, der eigenen Identität. Denn Gott ist nicht im fernen Himmel, sondern in dir, in deinem Herzen.
Freud und viele seiner Schüler versuchten, diesen Mangel an grundlegender Ausrichtung durch große Kompetenz zu kompensieren.

Quelle: Stephan von Stepski-Doliwa, „Sai Baba spricht über Psychotherapie“.

Sai Baba spricht über Psychotherapie
  • Stephan von Stepski-Doliwa
  • Herausgeber: Govinda Sai Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.01.1970)
  • Gebundene Ausgabe: 456 Seiten

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